Donnerstag, Juli 20, 2006

Eindruecke aus den vergangenen Tagen



Abendessen mit meiner alten Freundin Amruta und ihrer Familie in einem der aeltesten und traditionellsten Restaurants in Pune














Ausflug zum Markt mit 25 Pfadfinderinnen!







Petra! Dieses Bild ist fuer dich - den Blumenstand an deiner Strassenecke gibt es noch, auch das Rangoli gegenueber - dein Haus sieht jetzt leider so aus und verwandelt sich gerade in einen Komplex fuer Bueros, Geschaefte und Wohnungen.










Der Spiel- und Tanztag in Anand Gram, einer Schule fuer Kinder aus Familien, die durch Lepra stigmatisiert sind. Das war ein grosser Spass - 4 Stunden mit Gruppen mit jeweils ca. 40 Kindern im Alter von 5 bis 12! Am Ende haben die kleinsten sich einfach auf den Boden zum Schalfen gelegt, waehrend die Aelteren voller Energie Macarena getanzt haben!


Ausflug nach Lonavala

Nach dem ersten Event "Essence of India" mit fast vierzig jungen Amerikanerinnen und aelteren Schottinnen wollten wir unterbezahlten Maedels fuer einige Zeit die Stadtluft hinter uns lassen. Unsere Wahl fiel auf Lonavala - eine der vielen Hill Stations zwischen Pune und Mumbai. Dort befinden sich die Karla- und Bahji-Hoehlen: Hoehlen, die von buddhistischen Moenchen um ca. 200 vor Christi in den Stein gehauen wurden.
Eri, Laura, Alexa, Becky, Abi und Sandra, zwei Freundinnen, die zu Besuch waren und ich machten uns also auf unsere erste Zugreise!Gluecklicherweise nur Maedels - so kommt man in den Genuss der leereren und entspannteren Ladys Compartements!

Lecker Onion-Pakoras am Strassenrand als Staerkung fuer die Besichtigung der Hoehlen.

Bevor wir jedoch die Hoehlen besichtigen durften, musste Becky die Beratungen einiger Experten ertragen......waehrend ich auf das Ergebnis gewartet und den Dorfjungs beim Kicken zugeschaut habe... wieder einmal eine absurde Situation: irgendwelche Leute mit Apple-Rechnern im Arm mitten in einem indischen Dorf, ohne jeglich Infrastrktur.Sorry, kein Bild von den Hoehlen, dafuer aber von der Aussicht!

Auch beim Abstieg wieder leckere Snacks - leider wurde mir mein Maiskolben kurze Zeit spaeter von einem Affen geklaut, bzw. ich habe ihn freiwillig uebergeben, als der Affe auf mich zugerannt kam!
Zurueck nach Pune am naechsten Tag wieder im Damenabteil - die Maenner muessen mit weniger Platz auskommen!

Mittwoch, Juli 12, 2006

7/ 11 Mumbai ('Indian Express')

Ein kurzes Lebenszeichen von mir, nachdem die Nachrichten der Anschläge auf die Pendlerzüge in Mumbai ueberall angekommen sind. Auch wenn es in Pune gestern Nacht einige Unruhen gegeben hat und daraufhin die Geschaefte schlossen und das Land unter Sicherheitsalarm steht, scheint nun alles ruhig zu sein.
Schon am Sonntag hatte es in Mumbai Unruhen gegeben, die auf den restlichen Bundesstaat Maharashtra ueberzugreifen drohten - die Pläne unserer Gaeste, vor dem Abflug in die USA zum Sightseeing nach Mumbai zu fahren wurden auf Anraten der indischen Reiseagentur gecancelt und sie fuhren direkt zum Flughafen. Auch für Pune wurden Warnungen ausgesprochen, am am Montag war aber alles wieder sicher, so dass wir fur zwei Tage aus Pune nach Lonavla gefahren sind, um einen Ausflug nach unserem ersten Event zu machen.
Erst bei unserer Rückkehr aus Lonavla hörten wir dann von den Anschlägen. Wie sich später auch herausstellte, hatten die Unruhen von Sonntag nichts mit den gestrigen Anschlägen zu tun: Am Wochenende war eine Statue der Frau eines der rechts-konstervativen Politiker beschmutzt worden. Die Anhänger der Partei hatten dies für Proteste genutzt, einen Touristenbus in Brand gesetzt und Steine auf Geschäfte geworfen.
Unsere Einladung zum Abendessen gestern auf der anderen Seite Punes konnten wir wahrnehmen, auch wenn Pune wohl in einigen Bezirken auch unruhig war - unsere Autoroute führte aber in die andere Richtung. Auf dem Rückweg quetschten wir uns auch lieber zu siebt in das kleine Auto unserer Chefin, anstatt eine Gruppe mit der Rikscha nach Hause zu schicken. Heute fahren die Züge in Mumbai zu 90% wieder und auch hier ist es ruhig - über die Hintergründe weiß hier im Augenblick auch niemand mehr als im Rest der Welt -neben der Indian Times und dem Indian Express ist auch hier meine wichtigste und ausführlichste Informationsquelle die sueddeutsche.de.

Sonntag, Juni 25, 2006

Ein absurder Abend...

...der ganz gesittet im Max Mueller Bhavan a.k.a. Goethe Insititut begann. Dort wollte ich meine Freundin Shalmali kurz beim Fete de la Musique zu treffen, was das Max Mueller zusammen mit der Alliance Francaise veranstaltet hat. Eigentlich war es sehr nett dort, aber wie das immer so ist – entweder sind 5 Veranstaltungen an einem Tag oder keine - und an diesem Abend war nun eben auch noch das Spiel Deutschland - Schweden.
Ich verliess die Kulturveranstaltung also recht früh, weil ich Fußball schauen wollte und wofür ich mich mit ein paar Deutschen verabredet hatte. Bei den Deutschen zu Hause wurde dann noch mit einem Österreicher, einem Mädel aus Mauritius und einem Inder erstmal Fußball geschaut. Gegen 00 Uhr fiel dann der Entschluss, noch auszugehen – erste Station war ein Club im Keller eines der teuersten Hotels der Stadt. Seltsames Publikum dementsprechend – westliche Hotelgäste, reiche indische Kids, Osho-Leute auf der Suche nach Ablenkung von der Meditation und Party...nicht ganz mein Geschmack, aber Die normalen Discos machen hier zwischen halb eins und zwei zu, unsere setzte uns gegen halb zwei auf die Straße und nach längeren Diskussionen war es beschlossen, noch ins „Kaviar“ zu fahren – der einzige Club, der bis 5 Uhr auf hat, weil angeblich eine Verbindung zum Police Commissioner besteht... Nachdem dann alle einig waren, dass wir tatsächlich noch weiter ziehen und ich auch überredet war, weil ich den längsten Heimweg ins abgelegenste Viertel habe, musste erst noch ewig mit den Rikschafahrern verhandelt werden, die zunächst das 5fache des gerechtfertigten Preises verlangten. Ich hatte schon fast wieder keine Lust mehr, dann ging es aber tatsächlich los – naja, zumindest kurz bis uns ein Polizist anhielt und wir ungefähr 45 Minuten irgendwo in einer uns vollkommen unbekannten unbelebten Strasse in einem vollkommen unbekannten dunklen Viertel standen, der Polizist unglaublich wichtig war und angeblich nur Hindi und Marathi sprach, ein zweiter mit einem Gewehr neben uns patrouillierte. Der Rikschafahrer machte ein sehr beschämtes Gesicht und mit uns redete keiner. Wir versuchten verschieden Methoden, rauszufinden, wo wir sind, was das Problem ist, wie es zu lösen sei.... Die Rikscha mit der zweiten Hälfte der Leute war plötzlich nicht mehr bei uns, wir versuchten sie zu uns zu ordern, wussten ja aber nicht wo wir sind, der Polizist telefonierte dann 10 Minuten mit dem anderen Rikschafahrer, dann die beiden Rikschafahrer miteinander – wir hatten keine Ahnung, was passiert. Dominik und Thomas mit denen ich die Rikscha geteilt hatte, wurden langsam ungehalten, was nicht wirklich hilfreich war, ich war angesichts der absurden Situation eigentlich immer noch ganz amüsiert. Irgendwann stellte sich dann raus, dass wir 500 Rupien an den Polizisten zahlen sollten, weil Dominik angeblich aus der Rikscha rausgehangen wäre und wir halb in der Rik getanzt hätten, weil wir was getrunken hätten – und das war natürlich verboten und gefährlich. Nicht nur, dass wir nicht in der Rik getanzt hatten – das Problem hatte sich plötzlich ohne ersichtlichen Grund vom Rikschafahrer auf uns verlagert. Dominik wollte nur bezahlen, wenn er den Namen und den Vorgesetzten des Polizisten genannt bekommen hätte, was dieser natürlich verweigerte.
Mittlerweile war es ungefähr 3 Uhr und der Polizist übermittelte uns über einen ploetzlich dazugekommenen, halbwegs des Englisch mächtigen Rikschafahrer, dass er uns festnehmen würde, wenn wir nicht zahlten – oder zumindest Dominik, der seinen Kopf rechtswidrig aus der Rikscha rausgestreckt hatte, um nach der zweiten Rikscha Ausschau zu halten.
Nach einigen weiteren Telefonaten stand die zweite Hälfte der Gruppe dann plötzlich vor uns, ein junger Mann auf einem Roller hielt an und übersetzte für uns ins Marathi. Welch Glück für uns! Das Ergebnis war, dass wir 200 Rupien an den Rikschafahrer zahlen mussten, was ein Drittel mehr als der ausgemachte Fahrtpreis war – dafür fuhr er uns alle direkt nach Hause und der Polizist hatte keine Einwände interessierte sich plötzlich auch nicht mehr für unser Vergehen und unseren Verbleib. Wer da wie mit wem ein Geschaeft machen wollte, war uns dann am Ende nicht ganz klar, aber zumindest hatte das kleine Abenteuer einen guten Ausgang, wir sind um eine Erfahrung mit den indischen Behoeren reicher – und das „Kaviar“ muss an einem anderen Wochenende erkundet werden...

PALKHI!


Am vergangenen Dienstag war Palkhi in Pune. Palkhi ist ein Pilgerzug zu Ehren des Sant Dnyaneshwar mit einer jahrhundertealten Tradition. San Dnyaneshwar lebte von 1275 bis 1295 und schriebt mit 16 Jahren einen Kommentar zur Heiligen Schrift Bhagavad Gita in der Sprache des einfachen Volkes Maharashtras, in Marathi. Mit 20 Jahren betrachtete er seine spirituelle Suche und seine Aufgabe als abgeschlossen und ließ sich lebendig begraben. Seit mehreren hundert Jahren zieht ein Pilgerzug von Alandi, der Stadt Sant Dnyaneshwars, durch Pune und an Sangam vorbei – so wurden auch wir ein Teil der Festlichkeiten. Am erreichten die ersten der ca. 250 000 Pilger unser Viertel, aber erst um die Mittagszeit erreichte uns der Wagen mit den in Silber gegossenen Fußabdrücken des Heiligen, der für einige Stunden Halt im Tempel nebenan machen sollte.















Den Pilgern wird auf ihrem 22tägigen Weg Wasser und Verpflegung angeboten. Nachdem auch wir etwas verteilt hatten, machten wir uns auf zum Tempel, um dem Heiligtum ebenfalls Ehre zu erweisen.



Leider war zunächst kein Durchkommen möglich, so dass wir wie viele andere mit den Pferden vorlieb nehmen mussten, die den Wagen ziehen.

Doch Rohit, der Sohn eines Sangam-Mitarbeiters führte uns dann durch die kleinen Gassen zum Hintereingang des Tempels, zeigte uns den Hauseingang uns unbekannter Leute, in dem wir unsere Schuhe ließen, um dann in die Menschenmassen im Tempel einzutauchen.

Die Priester hatten sich schon gewundert, dass in diesem Jahr keine Ausländer aus Sangam mit im Tempel waren und freuten sich darum umso mehr, als wir schließlich zu ihnen stießen, um mit ihnen zu tanzen und zu singen.


Party-Tempel im wahrsten Sinne!