Ein absurder Abend...
...der ganz gesittet im Max Mueller Bhavan a.k.a. Goethe Insititut begann. Dort wollte ich meine Freundin Shalmali kurz beim Fete de la Musique zu treffen, was das Max Mueller zusammen mit der Alliance Francaise veranstaltet hat. Eigentlich war es sehr nett dort, aber wie das immer so ist – entweder sind 5 Veranstaltungen an einem Tag oder keine - und an diesem Abend war nun eben auch noch das Spiel Deutschland - Schweden.
Ich verliess die Kulturveranstaltung also recht früh, weil ich Fußball schauen wollte und wofür ich mich mit ein paar Deutschen verabredet hatte. Bei den Deutschen zu Hause wurde dann noch mit einem Österreicher, einem Mädel aus Mauritius und einem Inder erstmal Fußball geschaut. Gegen 00 Uhr fiel dann der Entschluss, noch auszugehen – erste Station war ein Club im Keller eines der teuersten Hotels der Stadt. Seltsames Publikum dementsprechend – westliche Hotelgäste, reiche indische Kids, Osho-Leute auf der Suche nach Ablenkung von der Meditation und Party...nicht ganz mein Geschmack, aber Die normalen Discos machen hier zwischen halb eins und zwei zu, unsere setzte uns gegen halb zwei auf die Straße und nach längeren Diskussionen war es beschlossen, noch ins „Kaviar“ zu fahren – der einzige Club, der bis 5 Uhr auf hat, weil angeblich eine Verbindung zum Police Commissioner besteht... Nachdem dann alle einig waren, dass wir tatsächlich noch weiter ziehen und ich auch überredet war, weil ich den längsten Heimweg ins abgelegenste Viertel habe, musste erst noch ewig mit den Rikschafahrern verhandelt werden, die zunächst das 5fache des gerechtfertigten Preises verlangten. Ich hatte schon fast wieder keine Lust mehr, dann ging es aber tatsächlich los – naja, zumindest kurz bis uns ein Polizist anhielt und wir ungefähr 45 Minuten irgendwo in einer uns vollkommen unbekannten unbelebten Strasse in einem vollkommen unbekannten dunklen Viertel standen, der Polizist unglaublich wichtig war und angeblich nur Hindi und Marathi sprach, ein zweiter mit einem Gewehr neben uns patrouillierte. Der Rikschafahrer machte ein sehr beschämtes Gesicht und mit uns redete keiner. Wir versuchten verschieden Methoden, rauszufinden, wo wir sind, was das Problem ist, wie es zu lösen sei.... Die Rikscha mit der zweiten Hälfte der Leute war plötzlich nicht mehr bei uns, wir versuchten sie zu uns zu ordern, wussten ja aber nicht wo wir sind, der Polizist telefonierte dann 10 Minuten mit dem anderen Rikschafahrer, dann die beiden Rikschafahrer miteinander – wir hatten keine Ahnung, was passiert. Dominik und Thomas mit denen ich die Rikscha geteilt hatte, wurden langsam ungehalten, was nicht wirklich hilfreich war, ich war angesichts der absurden Situation eigentlich immer noch ganz amüsiert. Irgendwann stellte sich dann raus, dass wir 500 Rupien an den Polizisten zahlen sollten, weil Dominik angeblich aus der Rikscha rausgehangen wäre und wir halb in der Rik getanzt hätten, weil wir was getrunken hätten – und das war natürlich verboten und gefährlich. Nicht nur, dass wir nicht in der Rik getanzt hatten – das Problem hatte sich plötzlich ohne ersichtlichen Grund vom Rikschafahrer auf uns verlagert. Dominik wollte nur bezahlen, wenn er den Namen und den Vorgesetzten des Polizisten genannt bekommen hätte, was dieser natürlich verweigerte.
Mittlerweile war es ungefähr 3 Uhr und der Polizist übermittelte uns über einen ploetzlich dazugekommenen, halbwegs des Englisch mächtigen Rikschafahrer, dass er uns festnehmen würde, wenn wir nicht zahlten – oder zumindest Dominik, der seinen Kopf rechtswidrig aus der Rikscha rausgestreckt hatte, um nach der zweiten Rikscha Ausschau zu halten.
Nach einigen weiteren Telefonaten stand die zweite Hälfte der Gruppe dann plötzlich vor uns, ein junger Mann auf einem Roller hielt an und übersetzte für uns ins Marathi. Welch Glück für uns! Das Ergebnis war, dass wir 200 Rupien an den Rikschafahrer zahlen mussten, was ein Drittel mehr als der ausgemachte Fahrtpreis war – dafür fuhr er uns alle direkt nach Hause und der Polizist hatte keine Einwände interessierte sich plötzlich auch nicht mehr für unser Vergehen und unseren Verbleib. Wer da wie mit wem ein Geschaeft machen wollte, war uns dann am Ende nicht ganz klar, aber zumindest hatte das kleine Abenteuer einen guten Ausgang, wir sind um eine Erfahrung mit den indischen Behoeren reicher – und das „Kaviar“ muss an einem anderen Wochenende erkundet werden...
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